Zwei Kitakinder beim Essen

Ernährung in der Kita

Quelle: Fotolia Oksana Kuzmina

In Kindertageseinrichtungen besteht die große Chance, die richtigen Weichen für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu stellen, der bis ins Erwachsenenalter hinein prägend ist. Um Kinder mit ihren unterschiedlichen familiären Erwartungen und Esserfahrungen bei ihrer ernährungsbezogenen Entwicklung zu begleiten und gleichzeitig gute Rahmenbedingungen für ein gesundheitsförderliches Aufwachsen zu bieten, spielen neben ernährungsphysiologischen Kriterien auch strukturelle und pädagogische Anforderungen eine Rolle.

Anforderungen und Herausforderungen für die Kitaverpflegung

Bedeutung und Gestaltung einer ausgewogenen Ernährung

Wie der bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) zeigt, sind 15 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig und gut ein Drittel von ihnen leidet unter Adipositas (1). Die Folgen sind sowohl psychischer als auch körperlicher Natur: Adipöse Kinder werden häufig ausgegrenzt und haben daher ein niedriges Selbstbewusstsein sowie eine geringere Lebensqualität. Zu den biologisch-medizinischen Folgen gehören ein früher Beginn der Pubertät und ein deutlich gehäuftes Auftreten von Typ-2-Diabetes sowie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen, die zahlreichen Spätfolgen im Erwachsenenalter Vorschub leisten. Neben ausreichender Bewegung ist vor allem eine bedarfsgerechte Ernährung, von Geburt an, ausschlaggebend dafür, dass Übergewicht erst gar nicht entsteht (2,3).  

In den ersten 6 Lebensmonaten ist Muttermilch die beste Ernährung (4). Für die Einführung der Beikost bis zum Übergang zum Familienessen gibt der „Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr“ des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) wissenschaftlich fundierte Orientierung (5). Praxisorientierte Hilfestellung für eine ausgewogene Ernährung für Kinder ab 1 Jahr liefern Modelle und Empfehlungen wie die Optimierte Mischkost (optiMIX®) des FKE (6), die aid-Ernährungspyramide (7) und der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. Dennoch sind Standards und Empfehlungen noch nicht flächendeckend verbreitet: Lediglich 29,6 % der befragten Einrichtungen in der VeKiTa Studie nutzten den DGE-Qualitätsstandard als Basis für die Verpflegung. Fast die Hälfte der befragten Kitas gab sogar an, überhaupt keine Ernährungsstandards zu kennen (8).

Herausforderungen für die Ernährung in der Kita

Aktuell besuchen in Deutschland 2,8 Millionen Kinder von 0 bis unter 6 Jahre eine Tageseinrichtung, die Hälfte von ihnen 7 Stunden täglich oder mehr (9). Ein Großteil der drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten, die für Kinder in diesem Alter empfohlen werden, nehmen schon heute viele von Ihnen täglich in der Kita ein.

Für die Einrichtung ist dies nicht nur eine organisatorische und logistische Herausforderung, sondern bedarf auch Kenntnissen und Kompetenzen in der Zusammenstellung, Präsentation und pädagogischen Begleitung der Mahlzeiten. Wenn Kinder in ihren prägenden Lebensjahren wichtige Lern- und Lebenserfahrungen machen können, ermöglicht ihnen dies einen lebenslangen, genussvollen und gesundheitsförderlichen Umgang mit Essen und Trinken. Eine Lebensmittelauswahl und -zusammenstellung, die auf den physiologischen Bedarf von Kindern abgestimmt ist und ihre gesundheitlichen und kulturellen Bedürfnisse berücksichtigt, sollte dabei selbstverständlich sein. Hier setzt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Standard für die ernährungsphysiologische Qualität des Essens in Tageseinrichtungen für Kinder und liefert wichtige Hinweise für die praktische Umsetzung im Setting Kita.

DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder

Eine gute Verpflegung in der Kita, die auf allen Ebenen des Lebens und Lernens rund um Essen und Trinken stattfindet, kann nur in Verantwortungsgemeinschaft aller Akteure realisiert werden. Aufgabe des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) ist es, bereits vorhandene Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung in deutschen Kitas zu bündeln, zu koordinieren und weiterzuentwickeln, damit die Verantwortlichen vor Ort die passenden Instrumente an die Hand bekommen, um Ernährungsqualität für Kinder zu realisieren. Dabei unterstützt das NQZ auch die Vernetzungsstellen Kitaverpflegung, die in vielen Bundesländern Ansprechpartner für die regionalen Akteure sind und wichtige Beratungs- und Vernetzungsfunktionen haben.

Quellen

(1) Kurth BM, Schaffrath Rosario A: Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz (2010)

(2) Robert Koch-Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Erkennen – Bewerten – Handeln. Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (2008)

(3) Koletzko B, Verwied-Jorky S, Strauß A, Herbert B, Duvinage K: Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen - Eine medizinische und gesellschaftliche Herausforderung, Gastroenterologe (2011)

(4) Koletzko B, Bauer C-P, Cierpka M: Ernährung und Bewegung im Kleinkindalter. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Monatsschrift Kinderheilkunde – Sonderdruck (2016)

(5) Forschungsinstitut für Kinderernährung: Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen. Ernährungsplan für das 1.  Lebensjahr (2015)

(6) Forschungsinstitut für Kinderernährung: Empfehlungen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Die Optimierte Mischkost optiMIX®. (2015)

(7) aid infodienst: aid-Ernährungspyramide, Idee: S. Mannhardt. (2016)

(8) Tecklenburg E, Arens-Azevêdo U, Pfannes U: Verpflegung in Kindertageseinrichtungen (VeKita): Ernährungssituation, Bekanntheitsgrad und Implementierung des DGE-Qualitätsstandards, in: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährungsbericht 2016

(9) Statistisches Bundesamt, Telefonische Auskunft (August 2017)

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