Verpflegung in Kitas

Ein Blick nach Schweden, England und Australien

Die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder ist ein Thema, das Regierungen weltweit vor ähnlich große Herausforderungen stellt. Eine aktuelle Studie zur Kitaverpflegung in den Ländern Schweden, England und Australien zeigt, dass es bislang noch keine verbindlichen Standards gibt, um die Qualität des Kitaessens nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig fehlen in den betrachteten Staaten Erkenntnisse darüber, in welchem Maße Richtlinien und Handlungsempfehlungen dazu beitragen können, die Ernährungssituation von Kindern in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung und Betreuung zu optimieren. Auch in Österreich wurde eine "Erhebung zur Verpflegungssituation in österreichischen Kindergärten" initiert, von der nun erste Ergebnisse veröffentlicht worden sind.

Schweden

Die Betreuung von Kindern im Alter von 1 bis 5 Jahren wird vom schwedischen Staat stark subventioniert. Organisiert wird sie in den Kommunen. Über 90 % der Kinder ab einem Alter von 18 Monaten gehen in Schweden in die Kita. Verpflichtende Vorgaben für ein bedarfsgerechtes, kostenloses Mittagessen sind im schwedischen Vorschul-Curriculum verankert (1,2). Wie die Mahlzeiten im Einzelnen ausgestaltet werden sollen, zeigen die Richtlinien „Good meals in preschool“. Diese werden von den Kindertageseinrichtungen auf freiwilliger Basis umgesetzt (3). Daten zur Qualität der Verpflegung in schwedischen Kitas fehlen bislang (1).

England

In England haben Kinder zwischen 3 und 4 Jahren seit September 2017 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz mit einem zeitlichen Umfang von 30 Stunden pro Woche. Die meisten Kinder gehen in England schon mit 4 Jahren in die Schule. Jedes Kind unter 5 Jahren bekommt täglich 1/3 Pint (189 ml) frischer Milch kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Referenzrahmen Early Years Foundation Stage (EYFS) des englischen Bildungsministeriums setzt verbindliche Standards für das Lernen, die Entwicklung und die Gesundheitsvorsorge für Kinder ab der Geburt bis zum Alter von 5 Jahren. Er fordert, dass in der Einrichtung angebotenes Essen gesund, ausgewogen und nährstoffreich sein soll (4). Hilfe für die Ausgestaltung geben die freiwilligen Richtlinien des „Children’s Food Trust“, die im Rahmen des Programms „Eat better, start better“ erarbeitet wurden (5). 93% der drei- bis vierjährigen Kinder wurden im Jahr 2012 in einer Tageseinrichtung betreut. Es wird jedoch geschätzt, dass 39 bis 49 % der Tageseinrichtungen in England kein eigenes Essen anbieten und viele Kinder das Essen von zu Hause mitbringen. Eine Studie ergab, dass 42 % der mitgebrachten Mahlzeiten Chips, 24 % Süßigkeiten und die meisten von ihnen ein gesüßtes Getränk enthielten (1). Verlässliche Zahlen zur Verpflegungssituation liegen nicht vor.

Australien

Australien ist föderal organisiert. Die einzelnen Bundesstaaten besitzen jeweils eigene Parlamente mit weitgehenden Kompetenzen zur Gesetzgebung. Die frühkindliche Bildung und Betreuung ist in Australien nicht verpflichtend und wird in den verschiedenen Staaten sehr unterschiedlich organisiert. Über das Sozialversicherungssystem beteiligt sich die Regierung an den Kosten. Mit 5 oder 6 Jahren kommen australische Kinder in die Schule. Der Rat der australischen Bildungsminister hat einen gemeinsamen nationalen Qualitätsrahmen für verschiedene Bereiche der frühkindlichen Bildung und Betreuung aufgestellt, dessen Gesetze und Vorschriften für alle Staaten und Territorien gelten. Er enthält auch Vorgaben für das Essen und Trinken. Allerdings sagen diese lediglich aus, dass Mahlzeiten und Getränke nährstoffreich und angemessen für jedes Kind sein sollen. Die gesundheitsförderliche Ernährung soll außerdem in das Bildungsprogramm eingebettet werden. Wie diese Vorgaben genau umzusetzen sind, ist nicht näher definiert. Die einzelnen Staaten/Territorien bieten Beratung und Training an, um den Einrichtungen die Einführung einer besseren Verpflegung zu erleichtern (1).

Zusammenfassung

Wie die Studie zeigt, gibt es in den drei betrachteten Ländern zwar einzelne, unterschiedliche Ansätze, um die Verpflegung in Kindertageseinrichtungen zu verbessern, verbindlich sind diese jedoch bislang nicht. Durch den Mangel an Monitoringsystemen kann außerdem häufig weder beurteilt werden, wie sich die Verpflegung und die Nährstoffversorgung der Kinder tatsächlich darstellt, noch, ob Richtlinien und Standards eingehalten werden. Damit stehen Kitas international vor vergleichbaren Herausforderungen. Studien aus aller Welt zeigten aber auch, dass Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas dort, wo sie angewendet werden, positiv wirken: Die Zufriedenheit mit dem Angebot und die Qualität des Essens waren nach Einführung verbindlicher Vorgaben erheblich höher als vorher (1, 6).

Österreich

Auch in Österreich werden immer mehr Kinder außerhalb des Elternhauses verpflegt, dementsprechend gewinnt die Mittagsverpflegung in der Kindertagesstätte zunehmend an Bedeutung. Laut aktueller „Erhebung zur Verpflegungssituation in österreichischen Kindergärten“ isst jedes zweite österreichische Kind sein Mittagessen in der Kita, weshalb bereits 82%, der Kitas ein Mittagessen anbieten. Jedoch weist die Bereitstellung des Mittagsessens starke regionale Unterschiede auf. In Wien bieten alle befragten Kitas eine Mittagsverpflegung an, wohingegen das Angebot Richtung Westen abnimmt. In Vorarlberg wird nur in 57% der Kitas ein Mittagessen angeboten.


Die Mehrheit der österreichischen Kitas wird von externen Verpflegungsanbietern beliefert, hauptsächlich sind dies Cateringunternehmen und Gemeinschaftsverpflegungsanbieter anderer Einrichtungen. Bei einer Verpflegung in Eigenregie wird das Mittagessen vorwiegend in einer eigenen Küche mit Fachpersonal zubereitet und nur sehr selten von den PädagogInnen selber.Im Bundesvergleich fallen ebenfalls regionale Unterschiede hinsichtlich der Verpflegungsanbieter auf. In einigen Regionen Österreichs wird die Mittagverpflegung hauptsächlich durch Gemeinschaftsverpflegungsanbieter anderer Einrichtungen gewährleistet, in anderen Regionen spielt das Gasthaus eine entscheidende Rolle. In Wien werden Kitas am häufigsten durch Cateringunternehmen verpflegt.


Die Entscheidung welche Speisen in der Kita angeboten werden, wird hauptsächlich von den Beteiligten des „Entscheidungsdreiecks“ – bestehend aus Verpflegungsbetrieb, Kita und Kitaträger – allein oder gemeinsam getroffen. Die Hauptbeteiligten bei der Speisenauswahl sind das Kitapersonal (43%) und der Verpflegungsbetrieb (42%). Eigene Küchen sowie Elternvereine spielen bei der Speisenauswahl eine untergeordnete Rolle (7). 

Mehr Informationen zur „Erhebung zur Verpflegungssituation in österreichischen Kindergärten“ gibt es auf der Internetseite „Richtig essen von Anfang an!“

Das EU-Schulprogramm

Das bisherige EU-Schulobst- und -gemüseprogramm und das EU-Schulmilchprogramm wurden zum neuen Schuljahr 2017/2018 zusammengelegt: Das EU-Schulprogramm soll Kindern und Jugendlichen frische Milch, Obst und Gemüse schmackhaft machen, indem sie täglich kostenlos damit versorgt werden. Für die Abgabe von Schulmilch stellt die EU ein Budget von 100 Millionen Euro und für Schulobst und -gemüse 150 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Um am Programm teilnehmen zu können, müssen die EU-Mitgliedstaaten eine nationale oder regionale Strategie für die Zeitspanne von 6 Jahren bei der europäischen Kommission einreichen. Die Finanzmittel werden auf Basis der Anzahl der 6- bis 10-jährigen Kinder in den EU-Ländern verteilt. Zielgruppe sind jedoch alle Kinder und Jugendlichen in Bildungseinrichtungen. Mehr Informationen zum EU-Schulprogramm gibt es auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Quellen

(1) Lucas PJ, Patterson E, Sacks G, Billich N, Evans CEL: Preschool and School Meal Policies: An Overview of WhatWe Know about Regulation, Implementation, and Impact on Diet in the UK, Sweden, and Australia. Nutrients (2017)

(2) Skolverket [Swedish National Agency for Education]: Curriculum for the Preschool Lpfö 98 Revised 2010

(3) Livsmedelsverket [Swedish National Food Agency]. Bra måltider i Förskolan [Good Meals in Preschool] (2016)

(4) Department for Education of the United Kingdom: Statutory Framework for the Early Years Foundation Stage. Setting the Standards for Learning, Development and Care for Children from Birth to Five (2012)

(5) The Children’s Food Trust. Eat Better Start Better, Voluntary Food and Drink Guidelines for Early Years Settings in England - A Practical Guide (2012)

(6) Tecklenburg E, Arens-Azevêdo U, Pfannes U: Verflegung in Kindertageseinrichtungen (VeKiTa): Ernährungssituation, Bekanntheitsgrad und Implementierung des DGE-Qualitätsstandards

(7) Richtig essen von Anfang an: Erhebung zur Verpflegungssituation in österreichischen Kindergärten (2016)

 

Lesenswertes zum Thema