Lehrerin erklärt ihren Schülern etwas

Ernährungsbildung in der Schule

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Die Voraussetzung, um ein gesundheitsförderndes Essverhalten zu entwickeln, sind vielfältige Kompetenzen rund um das Essen und Trinken. Dabei ist das Setting Schule, vor allem im Ganztagsbetrieb, nicht nur Lern-, sondern auch Lebensraum, an dem Theorie und Praxis erfolgreich verknüpft werden können. Über die vielen Jahre der Schulzeit hinweg können Kinder und Jugendliche gesundheitsfördernde Verhaltensweisen erlernen, aber auch ungünstige Verhaltensmuster in eine günstige Richtung verändern, wenn Verpflegung und Ernährungsbildung als ganzheitlicher Ansatz zur Gesundheitsförderung betrachtet werden.

Bildung und Verpflegung als Einheit verstehen

Ernährungsbildung und Gesundheit

Ernährungsbildung bezeichnet einen lebensbegleitenden Prozess, der überwiegend ohne gezielte pädagogische Konzeption im Alltag stattfindet. Schulen als Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sind Lern- und Lebenswelten, in denen das Lernen im pädagogischen Kontext verantwortlich gestaltet wird. Über mindestens 10 Schuljahre erwerben die Kinder und Jugendlichen wichtige Kompetenzen und bekommen wertvolle Impulse für ihr persönliches Ess- und Trinkverhalten. Sie lernen viel über Ernährung in natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Bildungsbezügen, wie es die Kultusministerkonferenz für die Gestaltung der Lehrpläne empfiehlt (1). Sowohl der fachspezifische und fächerübergreifende Unterricht als auch die Lernerfahrungen mit und beim Essen und Trinken in der Schule bieten hier die Grundlage für die Ernährungsbildung. Nur wenn Schulen Verpflegungsangebote und Mahlzeitengestaltung als wichtige Lerngelegenheiten wahrnehmen, können sie ihre Verpflichtung, Kindern ein gesundheitsförderndes Umfeld zu bieten, in vollem Umfang erfüllen (2). Damit sind Essen und Trinken ein unverzichtbares Element für eine nachhaltige Schulentwicklung.

Ernährungsbildung im Fächerkanon

Das europäische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen (ENHPS European Network of Health Promoting Schools) hat in seinen Kriterien für schulische Ernährungsbildung u.a. formuliert, dass fächerübergreifende Ernährungsbildung für alle Schüler gewährleistet werden sollte. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des länderübergreifenden Projektes REVIS (gesundheitsorientierte Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung in Schulen) ein Referenzrahmen für Ernährungs- und Verbraucherbildung erarbeitet, der unabhängig von den spezifischen Strukturen in den einzelnen Bundesländern einsetzbar ist (3). Das entwickelte Curriculum, einer von insgesamt vier Bausteinen des Referenzrahmens, erfasst neun Bildungsziele, darunter z.B. die Gestaltung einer gesundheitsförderlichen Ernährung, sicheres Handeln bei Kultur und Technik der Nahrungszubereitung und Mahlzeitengestaltung und die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes durch Essen und Ernährung. Für die Er- und Überarbeitung der kompetenzorientierten Lehrpläne in den Bundesländern bietet der REVIS-Referenzrahmen eine umfassende Grundlage für alle ernährungsbildenden Fächer, insbesondere für die Ernährungs- und Verbraucherbildung.

Die Kultusministerkonferenz hat zwar im Jahr 2013 Empfehlungen zur Ernährungsbildung im Rahmen der Verbraucherbildung beschlossen (1). Wie der gemeinsame Bericht der KMK und der Verbraucherschutzkonferenz (VSK) zeigt, werden die Empfehlungen in den Bundesländern jedoch sehr unterschiedlich in den Bildungsplänen umgesetzt (4). Da häufig konkrete bundeslandspezifische Vorgaben fehlen, bleibt den Schulen ein großer Gestaltungsspielraum, der sehr unterschiedlich genutzt wird.

Essen und Trinken als Qualitätsmerkmal für Schulen

Dem Erziehungs- und Bildungsauftrag von Schulen folgend, sollte idealerweise in der Schule das gelebt werden, was die Schüler im Unterricht lernen. Durch ihren Alltagsbezug und ihre Werteorientierung, zum Beispiel im Hinblick auf Gesundheit oder Nachhaltigkeit, bietet die Ernährungsbildung dafür viel Potenzial. Eine geeignete Grundlage für diesen ganzheitlichen Ansatz bildet der REVIS-Referenzrahmen. Wie alltagsbezogene Ernährungsbildung tatsächlich ausgestaltet wird und in welchem Maße sie eine Rolle bei der Verpflegung spielt, können Schulen in ihren Leitbildern selbst festlegen. Im Rahmen der Qualitätsentwicklung haben sie die Chance, pädagogische Inhalte erfolgreich mit der Verpflegung zu verknüpfen. Damit dies gelingt, sollte die Schulleitung alle beteiligten Akteure mit ins Boot holen. Denn für die Erstellung eines Verpflegungskonzeptes, das in der Praxis Bestand haben soll, sind Verständnis und Akzeptanz aller Interessensgruppen wesentlich. Gemeinsame Arbeitskreise oder die Zusammenarbeit in einem Verpflegungsausschuss sind wichtige Orte für den Austausch und für die Weiterentwicklung von Maßnahmen auf dem Weg zu einer hochwertigen Schulverpflegung. Der DGE-Qualitätsstandard gibt Orientierung und Impulse für einen ganzheitlichen Ansatz von Verpflegung, ist in den meisten Bundesländern jedoch nicht verbindlich vorgeschrieben. Beratung und Unterstützung zum Standard und seinen einzelnen Handlungsfeldern bieten die Vernetzungsstellen Schulverpflegung.

Quellen

(1) Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12.09.2013 – Verbraucherbildung an Schulen http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2013/2013_09_12-Verbraucherbildung.pdf

(2) Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2012 – Gesundheitsförderung und Prävention in Schulen
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_11_15-Gesundheitsempfehlung.pdf

(3) aid (Hrsg.): REVIS - Ernährungs- und Verbraucherbildung im Unterricht (2013)

http://shop.aid.de/3925/ernaehrungs-und-verbraucherbildung-im-unterricht

(4) Gemeinsamer Arbeitskreis der Kultusministerkonferenz und der Verbraucherschutzkonferenz: Bericht zur Verbraucherkompetenz von Schülerinnen und Schülern (2015)

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