Janine Herzberger, Bundeselternsprecherin BEVKi

Janine Herzberger, Bundeselternsprecherin BEVKi

Quelle: privat

Das NQZ im Gespräch mit Janine Herzberger, Bundeselternsprecherin der Bundeselternvertretung für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi).

Was ist Ihnen in Bezug auf die Qualität rund um Ernährungsbildung in Kita und Kindertagespflege besonders wichtig?

Wir haben diese Frage an unsere Landesverbände weitergegeben, die das innerhalb ihrer Gremien diskutiert haben. Uns als Eltern ist es besonders wichtig, dass das Essen saisonal, regional und biologisch bzw. nachhaltig ist. Es sollten keine langen Transportwege entstehen, um den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Je regionaler und saisonaler das Essen ist, desto besser können wir den Kindern zeigen, wo das Essen herkommt. Der Besuch beim Gemüse-, Milch- oder Getreidebauern aus der Region, die Lebensmittel für die Mahlzeiten liefern, sind dann zum Beispiel ideale Ernährungsbildungsmöglichkeiten. Wir Eltern finden es sehr gut, wenn durch die Verpflegung der Kinder biologische und nachhaltige Anbauweisen und Tierhaltungsmöglichkeiten unterstützt werden.

Für eine gute Qualität ist uns zudem die frische Zubereitung der Speisen vor Ort ohne langes Warmhalten wichtig. Es ist deshalb wünschenswert, alle Kita-Neubauten mit eigenen Küchen und eigenem Küchenpersonal auszustatten. Das ermöglicht auch, die Kinder gelegentlich bei der Zubereitung mit einzubinden und ihnen so schon früh die Vielfalt der Lebensmittelzubereitung und das breite Spektrum der Lebensmittel näher zu bringen. Eine eigene Küche macht zudem eine Partizipation der Kinder einfacher, so dass sie sich an der Auswahl und Zubereitung der Gerichte beteiligen können. Das lässt sie selbstständiger und selbstbestimmter agieren. Küchenpersonal vor Ort kann meist einfacher auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder und der Einrichtung eingehen, als ein Caterer, der fertig anliefert.

Damit alle Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege die gleichen Chancen auf eine ausgewogene Ernährung haben, wünschen wir uns bundesweite einheitliche Standards und deren Einhaltung. Dazu könnte z. B. der DGE-Qualitätsstandard bundesweit eingeführt werden. Derzeit ist dies nur in sehr wenigen Bundesländern der Fall. Wichtig ist uns auch, dass das Personal in Kitas und die Kindertagespflegeperson dahingehend geschult werden und auf die Einhaltung der Standards achten, da nur sie das Essen vor dem Servieren sehen und prüfen können.

Sich für Qualität rund um Essen und Trinken stark zu machen, ist auch ein „sich auf den Weg machen". Was könnte auf diesem Weg noch stärker in den Blick genommen werden?

Die Kinder in Kita und Kindertagespflege kommen mit ganz unterschiedlich gefüllten Brotdosen in die Einrichtungen. Diese sind aus unserer Sicht teilweise mit ungesunden Mitgaben der Eltern bestückt. Dadurch können bereits im Kindesalter Karies, Übergewicht und weitere Erkrankungen begünstigt werden. Aber auch eine ungesunde oder ungünstige Einstellung zum Essen kann so gefördert werden. Wir als Eltern würden deswegen eine Ganztagesverpflegung inklusive Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack in allen Einrichtungen sehr begrüßen, um für alle Kinder gleiche Voraussetzungen schaffen zu können. Es gibt bereits Landes- und Bundesprogramme. Diese sollten vielleicht mehr beworben werden. Dabei denken wir z. B. an Schulmilchprogramme, die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern oder aber auch andere Weiterbildungsmöglichkeiten.

Was läuft aus Ihrer Sicht schon sehr gut im Bereich der Ernährungsbildung?

Das Bewusstsein für eine Verbesserung rund um den Bereich Essen und Trinken in Kitas und Kindertagespflege ist bei vielen Akteuren bereits vorhanden. Zudem gibt es bereits jetzt einige Förderprogramme, um Kitas und lokale Anbieter zu unterstützen. Dies sind unserer Meinung nach bereits gute Schritte in die richtige Richtung.

Was ist Ihre Motivation, sich im Gute-Kita-Netzwerk des NQZ zu engagieren?

Unsere größte Motivation ist die Elternbeteiligung, die findet in Deutschland leider zu wenig statt. Wir wünschen uns, dass Eltern als Sprachrohr für ihre Kinder an allen Entscheidungen beteiligt werden. Die Netzwerkarbeit ist dafür wichtig. Wir haben auf unseren bisherigen Treffen festgestellt, dass viel zu wenig miteinander gesprochen wird, denn die Strukturen sind umfangreich und manchmal kompliziert. Betonen möchte ich, dass Elternwünsche nicht abwegig oder übertrieben sind und sich häufig mit den Wünschen anderer Akteure decken. Wir haben auch gesehen, dass das Thema Ernährung in den letzten Jahren anderen ebenso wichtigen Themen weichen musste. Deshalb ist es gut, dass wir mit unserer Teilnahme am NQZ-Netzwerk die Ernährung und Ernährungsbildung auf die Agenda setzen. Das unterstreicht die Wichtigkeit enorm.

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