Kind spielt mit Zahlen auf einem Holzboden.
Kindertagespflege

Zahlen & Fakten

Quelle: adobe©nadezhda1906

Die Kindertagespflege ist neben der Betreuung in Kindertagesstätten eine gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung in Deutschland. Ein Überblick in Zahlen und Fakten.

Was Kindertagespflege kennzeichnet

Für die Kindertagespflege ist die familiennahe bzw. familienähnliche Betreuung charakteristisch. Kindertagespflegepersonen betreuen Gruppen von bis zu fünf Kindern. Als enge Bezugsperson können sie die individuellen Bedürfnisse der Kinder besonders berücksichtigen (1). Je nach Landesregelung können sich zwei oder mehrere Kindertagespflegepersonen zusammenschließen und damit mehr als fünf Kinder betreuen. Auch dann bleibt die Organisation in kleinen Gruppen grundsätzlich bestehen, die den Kindern einen festen Rahmen für Miteinander und soziales Lernen bietet. Wesentlich ist außerdem, dass die Kinder keinen Wechsel der Bezugsperson erleben. Gerade für Kinder unter drei Jahren wird dies aus entwicklungspsychologischer Sicht als wertvoll erachtet (1).

Verschiedene Betreuungsformen sind möglich (1):

  • Kindertagespflege im Haushalt der Kindertagespflegeperson
    Das Kind wird im Haushalt der Tagesmutter oder des Tagesvaters betreut. Diese Form der Kindertagespflege erlaubt eine Anzahl von maximal fünf Kindern. Allerdings können landesrechtliche Vorschriften oder individuelle Gegebenheiten dazu führen (z. B. Größe der Räumlichkeiten, Anzahl der U3-Kinder, Anzahl der ständig anwesenden eigenen Kinder, Anwesenheit eines Kindes mit Behinderung), dass die Anzahl der Kinder durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe begrenzt wird.
  • Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen
    Eine Betreuung kann außer im Haushalt der Kindertagespflegepersonen auch in anderen geeigneten und angemieteten Räumen erfolgen. Nicht alle Bundesländer sehen diese Möglichkeit vor. Das jeweilige Landesrecht regelt, unter welchen Voraussetzungen Räume als geeignet gelten.
  • Kindertagespflege im Haushalt der Eltern
    Das Kind wird im Haushalt der Eltern durch eine Kindertagespflegeperson betreut. Diese besondere Form der institutionalisierten Betreuung, Bildung und Erziehung unterliegt je nach Ausgestaltung besonderen Voraussetzungen. Im Gegensatz zu den zwei vorgenannten Möglichkeiten braucht die Kindertagespflege dazu keine besondere Erlaubnis des zuständigen Jugendamtes.


Mit einem Anteil von 70 % bieten Kindertagespflegepersonen die Betreuung im eigenen Haushalt an, zu etwa einem Viertel (24 %) in anderen Räumen (Stand 2018). Seit 2006 ist der Anteil der Kindertagespflegepersonen, die in geeigneten angemieteten Räumen tätig sind, deutlich gestiegen (2).

Großtagespflege

Wie viele Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen, regelt auf Bundesebene das Sozialgesetzbuch VIII: Eine Kindertagespflegeperson darf bis zu fünf gleichzeitig anwesende Kinder betreuen. Die Länder können entscheiden, ob sie ein Angebot für mehr als fünf Kinder zulassen wollen. Falls ja, muss die Kindertagespflegeperson über eine pädagogische Ausbildung verfügen. Eine Analyse der landesrechtlichen Bestimmungen durch den Bundesverband für Kindertagespflege zeigt, dass die Ausgestaltung dieser als ‚Großtagespflege‘ oder ‚Kindertagespflege im Verbund‘ bezeichneten Betreuung in den Ländern sehr unterschiedlich geregelt ist (3).

Nicht alle Bundesländer haben demnach die Großtagespflege überhaupt in den Landesgesetzen verankert. Als Länder mit langer Tradition gelten Berlin, Bremen, Saarland, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In der Regel werden 9 bis 10 Kinder von zwei bis drei Kindertagespflegepersonen betreut. In Hamburg können bis zu vier Kindertagespflegepersonen bis zu 20 Kinder betreuen. Das Sozialgesetzbuch VIII regelt, dass insgesamt nicht mehr Kinder in einer Großtagespflege betreut werden dürfen als Kinder in einer vergleichbaren Gruppe einer Kindertageseinrichtung. Damit grenzt sich die Großtagespflege von Kindertageseinrichtungen ab (3). Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit 4.082 Großtagespflegestellen mit insgesamt 9.198 Kindertagespflegepersonen. Im Durchschnitt arbeiten pro Großtagespflegestelle 2,3 Kindertagespflegepersonen (4). Die meisten Großtagespflegestellen gibt es in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen.

Anzahl und Altersstruktur der Kinder in der Kindertagespflege

In Deutschland werden etwa 172.000 Kinder in der öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut (Stand März 2019) (Kindertageseinrichtungen: 3,66 Millionen Kinder) (4). Die Kindertagespflege wird besonders häufig von Eltern mit Kindern unter drei Jahren gewählt, derzeit sind mehr als drei Viertel (77 %) der in Kindertagespflege betreuten Kinder jünger als drei Jahre. Der Anteil dieser Altersgruppe ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Im Durchschnitt sind die Kinder etwa 1,4 Jahre alt, wenn sie in die Kindertagespflege kommen (Kita: 2,4 Jahre) (4).

Anzahl und Qualifikation der Kindertagespflegepersonen

Etwa 45.000 Kindertagespflegepersonen sind in Deutschland in der Kindertagespflege tätig, die meisten von ihnen sind weiblich (ca. 96 %). Ihr Altersspektrum bewegt sich überwiegend und relativ gleichmäßig verteilt zwischen 30 und 60 Jahren. Auf ihre Tätigkeit wurden die meisten Kindertagespflegepersonen in Qualifizierungskursen vorbereitet, mehr als die Hälfte von ihnen absolvierten Kurse mit mehr als 160 Stunden (4). Etwa 30 % der Kindertagespflegepersonen weisen eine fachpädagogische Ausbildung auf (2).

Anzahl und Qualifikation Kindertagespflegepersonen in Deutschland

insgesamt in Deutschland mit abgeschlossenem Qualifizierungskurs anderer Nachweis der Qualifikation in tätigkeitsbegleitender Grundqualifizierung Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kleinkinder
44.722 41.052 5.650 511 43.052
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2019

Mahlzeiten während der Betreuungszeit

In der Kindertagespflege werden die meisten Kinder bis zu 25 Stunden in der Woche betreut. Etwa ein Drittel der Kinder verbringt mehr als 35 Stunden pro Woche bei einer Kindertagespflegeperson, 28 % der Kinder lassen sich dem Zeitfenster zwischen 25 und bis zu 35 Stunden zuordnen. Unabhängig von den wöchentlich verabredeten Betreuungszeiten verbringen 38 % der Kinder durchgehend mehr als 7 Stunden pro Tag in der Kindertagespflege. Es ist daher anzunehmen, dass die Kinder mehrere Mahlzeiten (Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Mittag- oder Abendessen) außerhalb ihres Elternhauses einnehmen. Statistisch erfasst ist, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder (81 %) in der Kindertagespflege zu Mittag isst (4).

Verpflegungskosten

Die Kosten für einen Platz in der Kindertagespflege teilen sich in der Regel Land, Kommune und Eltern (1). Die Höhe der Kosten ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und kann auch zwischen einzelnen Kommunen variieren. In der öffentlich geförderten Kindertagespflege erhält jede Tagesmutter und jeder Tagesvater Geldleistungen vom zuständigen Jugendamt. Neben einer Förderungsleistung für die Erziehungstätigkeit erstattet das Jugendamt auch Sachaufwendungen. Hierunter fallen die Verpflegungskosten, außerdem Kosten für Miete, Wasser, Strom, Spielzeug etc. Die Eltern entrichten für die Betreuung in der Kindertagespflege einen Elternbeitrag an den öffentlichen Jugendhilfeträger.

In diesen laufenden Geldleistungen sind alle anfallenden Sachkosten inklusive der Kosten für die Verpflegung inbegriffen. Gemäß den Empfehlungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist eine Zuzahlung von Eltern etwa für die Verpflegung nicht vorgesehen (6). Diesen Aspekt handhaben die Bundesländer unterschiedlich (5).

Quellen

(1) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Handbuch Kindertagespflege

(2) Autorengruppe Fachkräftebarometer (2019): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2019. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. München.

(3) Bundesverband für Kindertagespflege (2020): Kindertagespflege im Verbund (Großtagespflege) -  Eine Form der Kindertagespflege (Analysen, Diskussionen, Meinungen).

(4) Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege am 01.03.2019.

(5) Kukula, Nicole und Sell, Stefan (2015): Laufende Geldleistungen in der öffentlich geförderten Kindertagespflege. Ergebnisse einer Follow up-Studie 2015. Remagen: Institut für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (IBUS).

(6) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend​​​​​​​ (BMFSFJ) (2020): Fakten und Empfehlungen zu den Regelungen in der Kindertagespflege.

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Publikationen & Arbeitshilfen

Verpflegung in Kindertageseinrichtungen - Ergebnisse einer bundesweiten Studie

Die Studie hat die Qualität des Kita-Essens in Deutschland untersucht und zeigt Empfehlungen zur Verbesserung auf. Die Ergebnisse wurden im 13. DGE-Ernährungsbericht (2016) veröffentlicht.

Ergebnisse aus dem Forschungsbericht: Gute gesunde Kindertagespflege

Die Studie der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Universität Leipzig hat die Kindertagespflege in Deutschland als Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebot untersucht.

Bio-Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen

Bio-Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen

Die Broschüre beantwortet Fragen zum Thema Bio und Nachhaltigkeit in der Kita- und Schulverpflegung. Die Antworten sind auch für interessierte Kindertagespflegeeltern hilfreich, die mehr Bio-Lebensmittel einsetzen wollen.