Ein Mädchen füttert seine Puppe

Ernährungsbildung in der Kita

Quelle: AdobeStock@tan4ikk

Kinder lernen durch Erfahrungen. Das gemeinsame Essen in der Kita bietet daher beste Gelegenheiten, ein lebenslanges, gesundes Essverhalten zu entwickeln. Nahezu alle Bildungsfelder, die die Bildungspläne für frühe Bildung nennen, können rund um die Mahlzeiten abgedeckt werden.

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Quelle: NQZ

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Setting Kita als idealer Bildungsort

Das Essverhalten spiegelt die Erfahrungen wider, die Kinder mit und beim Essen gemacht haben. Machen Kinder dabei positive Erfahrungen – zuhause und in der Kita – so können sie ein günstiges Essverhalten entwickeln, das sie lebenslang beibehalten (1).

Das Setting Kita hat durch den Ausbau der Ganztagseinrichtungen und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder nach dem ersten Lebensjahr eine wachsende Bedeutung für eine gesunde Ernährungsweise. Werden Essen und Trinken in die pädagogische Arbeit eingebettet, ergeben sich wertvolle Lerngelegenheiten, die Selbständigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein der Kinder stärken.

Praktische Ernährungsbildung im Alltag

Die Bildungs- und Orientierungspläne für Kindertageseinrichtungen der Bundesländer bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Ernährungsbildung. Zum einen im angeleiteten und freien Spiel, und zum anderen mehrfach täglich mit anderen Kindern und Bezugspersonen beim Essen und Trinken.
Beispiele für Ernährungsbildung in Kitas sind:

  • Gemeinsames Essen mehrmals am Tag mit Kindern und Erzieher*innen,
  • Gespräche über neue Lebensmittel und Rezepte, über Vorlieben und Abneigungen,
  • sinnliches Geschmackserleben
  • sensorische Verkostungen von bekannten und unbekannten Lebensmitteln,
  • Tisch decken und wieder abräumen
  • Spielregeln rund um den Tisch, zum Beispiel: Tischspruch abwarten, Umsicht üben, selber auftun,
  • Verwendung von Essbesteck, z. B.  Messer und Gabel,
  • Umgang mit Lebensmittelresten,
  • Händewaschen und Zähne putzen,
  • Ausflüge zum (Super)Markt,
  • Obst, Gemüse und (Wild-)Kräuter im Garten,
  • Kresse auf dem Fensterbrett,
  • Gemeinsames Frühstück mit selbsthergestellten Speisen,
  • Nahrungszubereitung mit Eltern,
  • Tischdeko für Kita-Veranstaltungen,
  • Spiele rund um das Essen: Puppenküche, Teddy füttern, Malen und Basteln.

In der Kita erfahren und erforschen Kinder Lebensmittel, ihre Eigenschaften, ihre Verarbeitung und Zubereitung sowie den Ablauf der täglichen Mahlzeiten. In Alltagssituationen kann soziales Lernen stattfinden. Die Kinder erwerben motorische, soziale und kognitive Fertigkeiten und erfahren Selbstwirksamkeit. Damit schafft die Kita die Basis dafür, dass Kinder auch im Bereich Ernährung so früh wie möglich kompetent sind (2).

Die individuellen und kulturellen Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien sind eine große Herausforderung aber auch ein großes Potenzial für die Kita. Die pädagogischen Fachkräfte begleiten die Kinder in ihrer Entwicklung und haben die Aufgabe, die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen von ihnen wahrzunehmen und nach Möglichkeit zu berücksichtigen.

Praxisorientierte Handlungsempfehlungen auch für die Ernährungsbildung in Kitas im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes gibt beispielsweise der Referenzrahmen zur Qualitätsentwicklung in der guten gesunden Kita, der im Rahmen des Berliner Landesprogramms "Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita" erarbeitet wurde und als internes Evaluationsinstrument für den Prozess der Qualitätsentwicklung anerkannt ist (3).

Weitere Anregungen zur Ernährungsbildung in der Kita finden sich in den Arbeitshilfen des NQZ

Weiterentwicklung der Ernährungsbildung in Kitas

In den meisten Ländern gibt es keine eigenen, evaluierten Konzepte oder konkrete Vorgaben für einen ganzheitlichen Ansatz von Ernährungsbildung. Die Bildungs- und Orientierungspläne für die frühkindliche Bildung nennen zwar Anregungen und Leitlinien, die konzeptionelle und praktische Verknüpfung von Kitaverpflegung und Ernährungsbildung obliegt aber den Trägern und einzelnen Einrichtungen. In der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte spielt die Ernährungsbildung höchstens ein Randthema. Weiterbildungen zum Thema Ernährung betreffen häufig eher Hygiene, Sicherheit und Allergenmanagement (4).

Voraussetzung für eine gute Ernährungsbildung in Kitas sind:

  • Sensibilisierung der Träger und Leitungsebenen,
  • Fortbildung von Mitarbeiter*innen,
  • Einbeziehung der Eltern und
  • regelmäßiger Austausch zwischen allen Beteiligten.

 

Das NQZ möchte allen Akteuren als verlässlicher Partner bei der Qualitätsentwicklung zur Seite stehen, indem es erfolgreiche Maßnahmen bündelt und koordiniert sowie gute Praxisbeispiele aufzeigt.

Ein Ziel ist es außerdem, praxistaugliche Handlungskonzepte auf Basis von ernährungsphysiologischen, psychologischen, soziologischen und pädagogischen Grundlagen weiterzuentwickeln, an denen Kitas sich im Hinblick auf eine umfassende Ernährungsbildung orientieren können.

Weitere Informationen: Publikationen und Arbeitshilfen zur Ernährung in Kitas und Schulen

Quellen

(1) Pudel V: Warum Kinder anders essen, als sie sich ernähren sollten. Das Essverhalten ist emotional gesteuert und kognitiv kaum beeinflussbar. In: TPS –Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita. S. 10-13 (2008)

(2) Methfessel B, Höhn K, Miltner-Jürgensen B: Essen und Ernährungsbildung in der KiTa. Entwicklung – Versorgung – Bildung (2016)

(3) Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berliner Landesprogramm „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ (Hrsg.): Referenzrahmen zur Qualitätsentwicklung in der guten gesunden Kita (2013), www.gute-gesunde-kitas-in-berlin.de/app/uploads/2017/09/referenzrahmen.pdf

(4) Schlussbericht für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Ernährungsbezogene Bildungsarbeit in Kitas und Schulen (2019), www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/Kita-Schule/StudieErnahrungsbildunglang.pdf

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