Kinder sitzen an einem Tisch und essen
Kindertagespflege

Ernährung & Ernährungsbildung

Quelle: adobe©Oksana_Kuzmina

Kindertagespflegestellen sind Lern- und Lebensorte, in denen Kinder mit Spaß und Genuss Essen und Trinken lernen können. Darin liegt eine große Chance, dass sie sich frühzeitig grundlegende Ernährungskompetenzen aneignen, die sie ein Leben lang begleiten. Der „Bildungsort Mahlzeit“ bietet hierzu vielfältige Potenziale.

Stellenwert der Mahlzeiten in der Kindertagespflege

In der Kindertagespflege werden Kinder in familienähnlichen Strukturen betreut und gefördert. Kleine Gruppen mit in der Regel bis zu fünf Kindern ermöglichen eine intensive Betreuung durch die Kindertagespflegeperson, die die Kinder in ihrer körperlichen, geistigen und emotionalen Entwicklung eng begleitet. Die Mehrheit der Kinder in der Kindertagespflege in Deutschland ist unter drei Jahre alt. Gerade Kleinkinder brauchen stabile Beziehungen als vertrauensvolle Basis für gesundes Aufwachsen. Das gilt auch für das Essen und für das Ernährungslernen. Neben dem Elternhaus übernehmen Tagesmütter und Tagesväter in dieser Hinsicht eine große Verantwortung, zunächst natürlich für die Versorgung mit Nahrung und Getränken, aber ebenso für die Entwicklung des Essverhaltens.

Vorbildwirkung enger Bezugspersonen

Je kleiner die Kinder sind, desto weniger Erfahrung haben sie mit Lebensmitteln aber desto sensibler sind sie in ihren Wahrnehmungen. In der achtsamen Heranführung an alles, was mit Lebensmitteln, mit Geschmack, Geruch, dem Kauen, dem Körpergefühl einhergeht, liegt daher eine große Verantwortung der Erwachsenen im Umfeld. Das „Essen lernen“ geht mit kindlichen Anstrengungen einher, die sensibel beobachtet und begleitet werden wollen auf dem Weg zu einem aufgeschlossenen und entspannten Umgang mit sich selbst und dem täglichen Essen und Trinken. Kinder lernen schrittweise etwa die Deutung ihrer Körpergefühle, der Kaufähigkeit fester Lebensmittel, Fingerfertigkeit beim Umgang mit Besteck oder insgesamt mehr Selbstständigkeit beim Essen. Damit sind u.a. sinnliche Wahrnehmung, soziales Verhalten, Feinmotorik aber auch Spracherwerb oder Kenntnisse über Nahrungsmittel Teile der Ernährungskompetenz, die sich Kinder mit und beim Essen aneignen (4). Weil Kinder vor allem durch Beobachtung und Nachahmung lernen, wird die Rolle der Kindertagespflegeperson als enge Bezugsperson besonders bedeutsam. Ihr Essverhalten und ihre Vorbildwirkung bei der Vorbereitung, Gestaltung und Begleitung der Mahlzeiten, bei der Auswahl der Speisen oder bei der Assistenz beim Essen beeinflussen das Kind maßgeblich in seiner Einstellung zum eigenen Körper und zum Essen und Trinken (1).

Rahmenbedingungen gestalten

In der Kindertagespflege essen und trinken die Kinder mehrmals täglich. Mahlzeiten sind Alltagshandlung und bieten viele Gelegenheiten für das informelle Lernen, das unbewusst und begleitend im täglichen Leben stattfindet. Mahlzeiten strukturieren den Tag und sind begleitet von Regeln und Ritualen, die Sicherheit und Orientierung geben. So wachsen Kinder hinein in eine Esskultur und lernen, diese mitzugestalten. Als gelebte Ernährungsbildung nehmen Mahlzeiten eine Schlüsselrolle ein, die organisatorische und pädagogische Rahmenbedingungen braucht. Hierzu gehört ein qualitativ hochwertiges und abwechslungsreiches Lebensmittelangebot, das die Vorerfahrungen des Kindes sensibel einbezieht und eine vielfältige Geschmacksentwicklung ermöglicht. Tischregeln, Mahlzeitenrhythmen und die Mitwirkung der Kinder bei Einkauf und der Mahlzeitenzubereitung sind ebenfalls Teile dieser Alltagsbildung. Art und Umfang der Ess-Assistenz und der Dialog mit dem Kind beim Essen haben großen Einfluss auf die Selbstständigkeit und fördern idealerweise positive Einstellungen und Haltungen zum Essen. Das Handeln und Verhalten der Kindertagespflegeperson sind demnach entscheidende pädagogische Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Ess- und Ernährungskompetenzen des Kindes (4).

Qualifizierung

Kindertagespflegepersonen benötigen für das Handlungsfeld Ernährung und Ernährungsbildung daher sowohl Fachwissen für die Nahrungszubereitung als auch Handlungskompetenz in der Begleitung von Kindern beim Essen. Mahlzeiten bieten vielfältige Möglichkeiten und Gestaltungselemente für Bildungsthemen an. Sofern Kindertagespflegepersonen nicht über eine fachpädagogische Ausbildung verfügen (64 % sind ohne eine solche Ausbildung (2)), können sie zur Vorbereitung auf ihre Tätigkeit an Qualifizierungskursen teilnehmen, die bundesweit von mehr als 350 Bildungsträgern angeboten werden. Basis der Qualifizierung sind Ausbildungsstandards des Deutschen Jugendinstituts (DJI) mit Blick auf Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei Jahren (3). Das Qualifizierungshandbuch beinhaltet 300 Unterrichtseinheiten inklusive Praktika. Ernährung und Ernährungsbildung stellen dabei relevante Ausbildungsinhalte dar. Schwerpunktthemen sind dabei u.a. Hygiene, Ernährung und Gesundheit. Die Qualitätssicherung dieser Grundqualifizierung ist eine Aufgabe des Bundesverbandes für Kindertagespflege.

IST-Situation in der Kindertagespflege

Welche Einstellungen Kindertagespflegepersonen zur Ernährung und Gesundheit haben, hat das Forschungsprojekt „Gute gesunde Kindertagespflege“ (GuT) untersucht (2). Von den befragten Kindertagespflegepersonen, die über eine schriftliche pädagogische Konzeption verfügen (82,5 %), haben fast alle eine Schwerpunktsetzung (u.a.) auf die Handlungsfelder „Gesunde Ernährung“ und „Bewegung“ vorgenommen. Zwar hält ein Großteil der Kindertagespflegepersonen bestimmte Einzelmerkmale, die eine gesunde Ernährung ausmachen (z. B. tägliches Obst- und Gemüseangebot, hochwertige und abwechslungsreiche Nahrungsangebote) sowohl für sich selbst als auch für ihre pädagogische Arbeit für relevant. Doch räumt gleichzeitig jede und jeder fünfte Befragte ein, das beschriebene Angebot nur teilweise realisieren zu können. In ihrer täglichen Praxis zeigte sich eine Orientierung an den individuellen Bedürfnissen der Kinder. So überlassen sie Kindern vollständig oder teilweise die Entscheidung, was und wie viel sie essen möchten. Weniger selbstverständlich ist dagegen der Einbezug der Kinder in die Zubereitung der Mahlzeiten und in den Lebensmitteleinkauf. Eine und einer von fünf Befragten gibt an, dies gar nicht zu tun, ca. jede und jeder zweite Befragte nutzt diese Möglichkeit alltagsintegrierter Ernährungsbildung zum Teil.

Vorgaben und Qualitätsstandards

In allen Bundesländern sind Gesundheit und Ernährung als Bildungs- und Betreuungsbereiche der Kindertagesbetreuung relevant. Die Versorgung mit gesunden Mahlzeiten als ein Beitrag zur Gesundheitsförderung wird als eine Aufgabe der Kindertagesbetreuung angesehen, sowohl im Setting Kita als auch in der Kindertagespflege. Als Qualitätskriterium findet sich Ernährung in Qualifizierungskonzepten, Leitfäden und Handreichungen der Länder in unterschiedlicher Intensität wieder. Ernährungsinformationen und Qualitätsstandards, die an den Erfordernissen der Kindertagespflege und ihrer Protagonisten ausgerichtet sind, sind nur wenig vorhanden. Dagegen stehen Informationen für Kindertageseinrichtungen bzw. allgemein zur Ernährung von Kindern vielfältig und wissenschaftlich fundiert zur Verfügung. Zum Teil eignen sich diese auch für einen Einsatz in der Kindertagespflege. In der Arbeitshilfendatenbank des NQZ stehen entsprechende Empfehlungen und Materialen zur Verfügung.

Fazit und Empfehlungen

Die Kindertagespflege ist neben der Betreuung in Kindertageseinrichtungen eine gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung. Doch lassen sich Strukturen, Erkenntnisse und Erfahrungen aus der „Betreuungsform Kita“ nicht einfach auf die Kindertagespflege übertragen (2). Ernährungsbildung als integrierte pädagogische Aufgabe bereichert den Alltag der Kindertagespflegepersonen und unterstützt die Kinder in ihrer Entwicklung auf verschiedensten Ebenen. Empfehlenswert dafür sind Strukturen und Inhalte in der Aus- und Weiterbildung, die den Wert von Ernährungsbildung im Rahmen ihrer pädagogischen Arbeit verdeutlicht und einen diesbezüglichen Kompetenzerwerb ermöglicht. Verantwortungsträger und Akteur*innen in der Kindertagespflege können hier gemeinsam den Qualitätsentwicklungsprozess voranbringen.

Quellen

(1) Methfessel B, Höhn K, Miltner-Jürgensen B (2016): Essen und Ernährungsbildung in der Kita. Entwicklung – Versorgung – Bildung. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.

(2) Viernickel S, Ihm M, Böhme M (2019): Forschungsprojekt „Gute gesunde Kindertagespflege. (GuT)". Alice Salomon Hochschule Berlin, Universität Leipzig. 

(3) Schuhegger L, Hundegger V, Lipowski H et al. (2020): Qualität in der Kindertagespflege. Qualifizierungshandbuch (QHB) für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei. Friedrich Verlag GmbH Hannover. ISBN 978-3-7727-1468-9

(4) Höhn K (2018): Essen bildet! Mahlzeiten als Lernsetting entdecken. Verlag Herder GmbH.

(5) Deutscher Bildungsserver: Bildungspläne der Bundesländer für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen.

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