Flagge von Finnland

Verpflichtende Standards in Finnland

Quelle: pixabay.com © Marsel Elia

Mehr als 70 Jahre alt ist die Tradition in Finnland, eine kostenlose Schulverpflegung zur Verfügung zu stellen. In dem Fünf-Millionen-Einwohnerland erhalten heute etwa 830.000 Schüler*innen täglich eine Schulmahlzeit.

Finnland rühmt sich selbst als das Land mit der längsten kostenfreien Schulverpflegungstradition weltweit (1). Dabei betrachten die Finnen die Schulverpflegung nicht nur als einen wesentlichen Beitrag für das gesunde Aufwachsen von Kindern, sondern sie möchten die schulischen Mahlzeiten auch als Ernährungsbildung mit Blick auf den Erwerb eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils verstanden wissen. Schüler*innen sollen ermutigt werden, sich in vielerlei Hinsicht an der Gestaltung der Verpflegung zu beteiligen.

Dezentrale Organisation in den Kommunen

Die Schulverpflegung ist in Finnland dezentral organisiert, d.h. die Kommunen sind als Schulträger sowohl für Bildung als auch für die Verpflegung verantwortlich (1). Die Kommune muss für die Verpflegung die entsprechende Küchenausstattung zur Verfügung stellen. Es ist üblich, dass Verpflegungsdienstleister mit dem Küchenbetrieb beauftragt werden. In Ausschreibungen werden die Unternehmen verpflichtet, die in Finnland gesetzlich verankerten Ernährungsempfehlungen („Finish nutrition recommendations“) zu erfüllen, außerdem sind Preis und Kundenwünsche zu berücksichtigen (1, 2).

Traditionelle Gerichte mit internationalem Einfluss

Eine warme Schulmahlzeit soll traditionelle finnische Gerichte widerspiegeln und trotzdem internationale Einflüsse aufgreifen. Eine Stärkebeilage (Kartoffeln, Nudeln oder Reis), Fisch oder Fleisch, wahlweise eine vegetarische Eiweißalternative (Hülsenfrüchte, Eier) sowie Gemüse oder ein frischer Salat machen die Hauptkomponenten der Schulmahlzeit aus. Diese wird ergänzt um ein Getränk (Milch, pflanzliche Milchalternative oder Dickmilch), Vollkornbrot und Streichmargarine (1). Die Schulen werden ermutigt, allen Schülern an einem Tag in der Woche eine vegetarische Mahlzeit anzubieten. Bei der Essensausgabe dürfen sich Schüler*innen immer selbst bedienen. Dabei soll ihnen das sogenannte „Teller-Modell“ bei der Auswahl der Speisen Orientierung geben. Ein fertig gestalteter Teller mit dem jeweiligen Tagesangebot zeigt den Schüler*innen, wie sie ihre Mahlzeit ausgewogen gestalten können. Viel Wert wird in Finnland auf eine angenehme Essatmosphäre, auf Tischmanieren sowie auf finnische Bräuche gelegt. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Mitbestimmung und das Feedback der Schüler*innen (3).

Finnische Kommunen tragen Hauptteil der Kosten

Die Kosten für ein Mittagessen beliefen sich 2017 im Durchschnitt auf 2,80 Euro und setzen sich zusammen aus Lebensmittel-, Personal-, Betriebs- und Transportkosten (1). Im Jahr 2016 lagen die jährlichen Durchschnittskosten für die Schulmahlzeiten pro Schüler*in je nach Gemeindegröße zwischen 442 Euro und 704 Euro. Weil Bildung und Betreuung im Zuständigkeitsbereich der Gemeinden liegt, tragen sie auch den Hauptanteil der Kosten für die Schulverpflegung (75 %). Der Staat finanziert den restlichen Betrag (1).

Flagge von Finnland

Schulverpflegung in Finnland: Factsheet der Europäischen Kommission

Quellen

(1) Ministry for Foreign Affairs of Finland and Finnish National Agency for Education. School feeding: investment in effective learning – Case Finland (2019)

(2) National Nutrition Council, Finnish national agency for Education and national institute for health and Welfare (2017): Eating and Learning Together – recommendations for school meals. 

(3) Finish National Board of Education. School meals in Finland – Investment in learning (2019)