Die Europäische Flagge

Richtlinien in Europa

Quelle: pixabay.com © S. Hermann & F. Richter

Die europäischen Mitgliedsstaaten sind sich über die wichtigsten Ziele einer bedarfsgerechten Schulverpflegung weitestgehend einig. Alle Länder haben Schulverpflegungsstandards (school food policies) erlassen, mit denen sie die hohe Bedeutung der Schulverpflegung für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen anerkennen.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (Joint Research Centre - JRC), eine Generaldirektion der Europäischen Kommission, hat in einer Studie im Jahr 2014 die Schulverpflegungsstandards aller damaligen 28 EU-Mitgliedsstaaten plus Norwegen und Schweiz untersucht. In allen 30 untersuchten Ländern liegen Richtlinien für die Schulverpflegung vor (1). Alle Staaten haben zum Ziel, die Verpflegung für Schüler*innen insgesamt zu verbessern, Kindern ein gesundheitsförderliches Essverhalten nahezubringen sowie kindlichem Übergewicht vorzubeugen bzw. dieses abzubauen (1).

Strukturen und Herausforderungen europaweit vergleichbar

Die Hälfte der europäischen Mitgliedsstaaten hat gesetzlich bindende Richtlinien erlassen, die sich zum Teil entweder ausschließlich auf Schulernährung fokussieren oder mit Richtlinien im Bereich Gesundheit oder Bildung einhergehen (1). Grundsätzliche Ansätze und Strukturen der Schulverpflegungsstandards sind vergleichbar, die Herausforderungen ebenfalls. Neben der gesundheitsförderlichen Gestaltung der Mittagsmahlzeit sind die Akzeptanzförderung, eine ansprechende Präsentation gut schmeckender und gesundheitsförderlicher Mahlzeiten, deren Finanzierung und die Qualifikation der Anbieter zentrale Themen (1). In einigen Ländern werden ergänzende Aspekte besonders hervorgehoben, die in der Schulverpflegung der jeweiligen Länder als wesentlich erachtet werden, wie z. B. die Einhaltung von Traditionen und Esskultur.

Gleichmäßige Verteilung verpflichtender und freiwilliger Standards

Es gibt eine fast gleichmäßige Aufteilung zwischen freiwilligen Richtlinien und verbindlichen Standards innerhalb der 34 (siehe Anmerkung) berücksichtigten Schulverpflegungsprogramme (School Feeding Programmes). Die meisten dieser Programme (> 90 %) verwenden lebensmittelbasierte Standards, um ausgewogene Menüs zu gewährleisten, gefolgt von Richtlinien zur altersgerechten Portionsgröße (76 %) und nährstoffbasierte Standards für das Mittagessen (68 %) und andere Mahlzeiten (56 %) (1). In weniger als der Hälfte der Länder (47 %) sind Rezepturen in den Schulverpflegungsprogrammen enthalten. 

(Anmerkung: 2014 ergaben sich EU-weit 34 Schulverpflegungsstandards, weil Belgien separate Richtlinien für Flandern und Wallonien und das Vereinigte Königreich separate Richtlinien für England, Nordirland, Schottland und Wales hat (1).)

 

Lebensmittelbasierte Empfehlungen überwiegen

Für die Mittagsverpflegung (lunch) und für die Zwischenverpflegung (non-lunch) haben fast alle Länder lebensmittelbasierte Standards festgeschrieben, die eine ausgewogene Auswahl der Lebensmittel sicherstellen sollen (lunch 91 %, non‑lunch 94 %). Nährwertbezogene Vorgaben für das Mittagessen bestehen in 68 % der Länder, 56 % haben solche Vorgaben auch für Zwischenmahlzeiten.

Das Angebot von Softdrinks schließen 71 % bzw. 65 % der Länder zum Mittagessen bzw. für Zwischenmahlzeiten aus. Das Angebot von Süßigkeiten und herzhaften Snacks ist in weitaus mehr als der Hälfte der Schulverpflegungsstandards limitiert, die Spannweite der Vorgaben reicht vom gelegentlichen Angebot bis hin zum kompletten Verbot (1) (siehe Grafik). 

Monitoring-Programme in der EU

Ungeachtet von Standards und Verbindlichkeiten bleiben in allen Ländern vielfach die Fragen offen, inwieweit und in welchem Ausmaß vorliegende Standards tatsächlich in die Praxis umgesetzt und implementiert werden. Hier gibt es grundsätzlich noch Interventions- und Forschungsbedarf.

Quellen

(1) European Commission, Joint Research Centre, Institute for Health and Consumer Protection (IHCP) (2014): JRC Science and Policy Reports. Mapping of National School Food Policies across the EU28 plus Norway and Switzerland 

(2) European Commission (2015). School food policy country factsheets. Germany