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Kostenloses Mittagessen in schwedischen Schulen

Quelle: pixabay.com © Unif

Schweden blickt auf eine lange Schulverpflegungstradition zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erste nationale Bemühungen um kostenlose Schulmahlzeiten. Seit den 1970er Jahren können alle Schulkinder zwischen 7 und 16 Jahren kostenfrei an der Schulverpflegung teilnehmen.

In Schweden gibt das Schulgesetz vor, dass jedes Kind ein kostenloses Mittagessen bekommt. Finanziert wird dies aus Steuergeldern, einen Anspruch auf das Schulmittagessen haben alle Kinder unabhängig vom elterlichen Einkommen (2). Seit 2011 ist im Schulgesetz festgeschrieben, dass die Schulmahlzeiten nährstoffreich sein müssen, d.h. mit den Mahlzeiten soll etwa ein Drittel des täglichen Energie- und Nährstoffbedarfs gedeckt werden (1). Um dies sicherzustellen, hat die schwedische National Food Agency (NFA) Richtlinien und Empfehlungen herausgegeben, an denen sich die Schulküchen freiwillig orientieren können (4). Die meisten Vorschulen und weiterführenden Schulen folgen denselben Richtlinien (8). Die schwedischen Ernährungsempfehlungen basieren auf den Nordic Nutrition Recommendations (NNR), die seit 1980 alle acht Jahre aktualisiert werden und für alle nordischen und baltischen Länder gelten. Sie geben Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr an, die nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand für die Entwicklung und optimale Funktion des menschlichen Körpers ausreichend sind und das Risiko bestimmter ernährungsbedingter Erkrankungen verringern (5, 7).

Lehrkräfte essen meistens mit

Etwa 260 Millionen Schulmahlzeiten werden jährlich in Schweden ausgegeben (1). Die durchschnittlichen Preise belaufen sich auf etwa 616 Euro pro Kind und Jahr (6.600 SEK) und decken die Kosten für Zutaten, Personal und Transport ab. Die Kosten für Zutaten in einer durchschnittlichen Mahlzeit betragen etwas mehr als einen Euro (10 - 14 SEK). Für die Speisenproduktion sind die 290 schwedischen Gemeinden verantwortlich, die die Schulmahlzeiten auch mithilfe von privaten Verpflegungsdienstleistern aus der Region zur Verfügung stellen können. Schulen verfügen entweder über eigene Schulküchen, in denen das Essen vor Ort zubereitet wird, oder sie sind einer zentralen kommunalen Küche angeschlossen, von denen die Mahlzeiten warmgehalten oder als Kühlkost zu den Schulen geliefert werden. Die Mahlzeit besteht aus einem warmen Hauptgericht, einem Salatbuffet, Brot samt Streichfett und einem Getränk (Milch oder Wasser) (4). Empfohlen ist außerdem eine vegetarische Alternative. Die Schüler*innen dürfen sich selbst an den Buffets bedienen. Die Lehrkräfte essen meistens mit, hierfür hat sich der Begriff „pedagogic lunch“ etabliert (8).

Qualitätskriterien beziehen Ess-Atmosphäre ein

Die Qualitätskriterien der NFA beinhalten ebenfalls Empfehlungen zur Hygiene, zu Warmhaltezeiten und zur Qualität der Lebensmittel. Außerdem bestehen Empfehlungen zur Gestaltung einer angenehmen Atmosphäre während der Mahlzeiteneinnahme, zur Beteiligung der Schüler*innen sowie zur Nachhaltigkeit. Alle Kriterien sind im schwedischen „Mahlzeiten-Modell“ zusammengefasst (6).

Qualitätssicherung per Online-Tool

Die nationalen Leitlinien für die Schulverpflegung sehen vor, dass die Schulmahlzeiten ein Teil der Bildung sein sollen (1). Die Qualitätssicherung der Schulverpflegung liegt in den Händen der Schulen und Gemeinden. Hierfür steht das kostenlose Online-Tool SkolmatSverige zur Verfügung (8). Es soll Schulen und Gemeinden dabei helfen, die Qualität der Schulmahlzeiten gemäß der Leitlinien für die Schulverpflegung zu überprüfen, zu dokumentieren und zu optimieren. Das Tool wurde von verschiedenen wissenschaftlichen Instituten unter Beteiligung u.a. schwedischer Gesundheitsbehörden entwickelt und arbeitet unabhängig von kommerziellen Einflüssen. Derzeit nehmen 41 % der Schulen an dieser Art der Qualitätskontrolle teil (8). Im Evaluationsbericht 2014/15 halten die Institute fest, dass Schulen, die das Tool nutzen, sowohl die Nährstoffqualität der Mahlzeiten als auch die Aspekte Service, Ernährungsbildung und Nachhaltigkeit signifikant verbessern konnten (9).

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Schulverpflegung in Schweden: Factsheet der Europäischen Kommission

Quellen

(1) Swedish Food Agency 2020: School lunches

(2) Lucas PJ, Patterson E, Sacks G, Billich N, Evans CEL: Preschool and School Meal Policies: An Overview of WhatWe Know about Regulation, Implementation, and Impact on Diet in the UK, Sweden, and Australia. Nutrients (2017)

(3) European Commission 2015: School food policy country factsheet Sweden

(4) Emma Patterson, Liselotte Schäfer Elinder:  (2014) Improvements in school meal quality in Sweden after the introduction of new legislation—a 2-year follow-upEuropean Journal of Public Health, Volume 25, Issue 4, August 2015, Pages 655–660

(5) The Nordic Council and the Nordic Council of Ministers 2014: Nordic Nutrition Recommendations – a work in progress

(6) Swedish Food Agency

(7) Swedish Food Agency 2018: Nordic Nutrition Recommendations

(8) SkolmatSverige 2021: What is SkolmatSverige?

(9) SkolmatSverige School Food Sweden's report on school meal quality for the school year 2014/15