Ein jugendlicher blonder und kurzhaariger Junge beißt herzhaft in einen Apfel.
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Pandemie beeinflusst Angebot der Schulverpflegung

Quelle: pixabay © sipa

Das Robert-Koch-Institut hat Daten zur Kindergesundheit während der Corona-Pandemie erhoben. Für die meisten Kinder und Jugendlichen hatte die Pandemie im Erhebungszeitraum April bis November 2022 keinen nennenswerten Einfluss mehr auf das Ernährungsverhalten, doch deutet sich ein nachteiliger Einfluss auf das Angebot von Schulverpflegung an.

Mit der Studie „Kindergesundheit in Deutschland aktuell“ (KIDA) untersucht das Robert Koch-Institut (RKI) seit Februar 2022, wie sich die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren im Verlauf der Corona-Pandemie darstellt. Dazu haben Wissenschaftler*innen über einen Zeitraum von zwölf Monaten fortlaufend entsprechende Informationen erhoben. Der 3. Quartalsbericht der Studie nennt Daten zum Ernährungsverhalten und zu Angebot und Inanspruchnahme der Kita- und Schulverpflegung. Befragt wurden Eltern von Kindern im Alter von 3 bis 15 Jahren sowie Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren im Zeitraum von April bis November 2022. Der Erhebungszeitraum war durch stark abnehmende Neuerkrankungsraten unter Kindern und Jugendlichen gekennzeichnet, außerdem gab es während der Erhebung nur geringe pandemiebedingte Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Während sich für die überwiegende Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zeigte, dass das Ernährungsverhalten zum Befragungszeitpunkt nicht oder eher in einer positiven Weise durch die Pandemie verändert war, galt dies nicht für die Schulverpflegung. Hier deutete sich ein negativer pandemiebedingter Einfluss an.

Angebot und Nutzung von Verpflegungsangeboten in Kita und Schule

Während des Online-Erhebungszeitraums befanden sich fast 99 % der Kitas und 99,4 % der Schulen in der untersuchten Stichprobe im Regelbetrieb. Zur Nutzung der Schulverpflegung geben 27 % der Schüler*innen an, diese seltener in Anspruch zu nehmen. Ein Vergleich mit Daten aus EsKiMo II (Langzeitstudie zur Kinder- und Jugendgesundheit KiGGS, Ernährungsmodul EsKiMo 2015-2017) deute hier auf einen möglichen Rückgang des Angebotes von Schulverpflegung hin, so die Fachleute. Weitere Ergebnisse:
 

  • Insgesamt gaben 73 % der Schüler*innen an, im Erhebungszeitraum die Möglichkeit gehabt zu haben, eine warme Mittagsmahlzeit in der Schule zu essen (EsKiMo II:  86,6 %). Etwas mehr als die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen (55 %) nutzten das Angebot mindestens ein- bis zweimal wöchentlich (EsKiMo II: 43,2 %). Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen nutzte die Schulverpflegung täglich.
  • Zwischen den Altersgruppen unterschied sich der Anteil der Schüler*innen nicht, die ein Angebot für ein warmes Mittagessen in der Schule erhielt. Jedoch sank die Nutzung mit zunehmendem Alter deutlich: Während 81 % der 6-11-Jährigen mindestens ein- bis zweimal pro Woche die Schulverpflegung in Anspruch nahmen, waren es in der Gruppe der 12-17-Jährigen nur 33 %.
  • Schüler*innen aus Haushalten mit einem niedrigen Einkommen aßen deutlich seltener (29 %) zu Mittag in der Schule als diejenigen aus Haushalten mit einem mittleren (61 %) oder hohen (74 %) Einkommen. Sie verbrachten die Mittagsmahlzeit dagegen deutlich häufiger mit ihrer Familie.
  • Insgesamt erhielten etwa 90 % der Schüler*innen fast täglich eine warme Mahlzeit, entweder in der Schule oder zu Hause. Bei 6-11-Jährigen spielte die Schulverpflegung eine große Rolle, bei 12-17-Jährigen dagegen das Kochen zu Hause.
  • Unter den Kita-Kindern erhielten im Erhebungszeitraum 81 % ein Angebot für eine warme Mittagsverpflegung. Davon nutzen 86 % das Angebot fünfmal pro Woche.

Kernaussagen zum Ernährungsverhalten

  • Für die meisten 3- bis 17-Jährigen hatte die Pandemie im Befragungszeitraum April bis November 2022 keinen Einfluss auf erfragte Aspekte des Ernährungsverhaltens. Wenn von einem Einfluss berichtet wurde, dann überwiegend in Form einer Verbesserung (seltener Verzehr von Fertiggerichten (bei 20 %), Fast Food (17 %) und zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken (14 %)). 
  • 13 % gaben ein häufigeres Kochen zu Hause und 14 % häufigere gemeinsame Mahlzeiten in der Familie an. Für mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen wird täglich zu Hause gekocht
  • Jeweils etwa 10 % gaben einen aktuell häufigeren Verzehr von Obst und Gemüse an. Dennoch aßen nur etwa 60 % der 3-17-Jährigen täglich Obst oder Gemüse.
  • Besonders unter den 12-17-Jährigen ist der Anteil, der täglich Obst und Gemüse aß, deutlich geringer als bei Jüngeren. Dagegen trinken die Älteren häufiger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke (ein Drittel trank diese mindestens drei- bis viermal pro Woche).
  • Bei der Verzehrhäufigkeit von Obst und zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke gibt es Unterschiede je nach Einkommen des Haushaltes. Nur 44 % der Heranwachsenden aus Haushalten mit niedrigem Einkommen aßen täglich Obst. Am höchsten war der Anteil mit einem täglichen Obstverzehr bei Kindern und Jugendlichen aus Haushalten mit mittleren Einkommen (67 %).

Einordnung der Ergebnisse

Die Studie zeige, dass der Einfluss der Pandemie auf das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen für die meisten Aspekte des Ernährungsverhaltens inzwischen als gering eingeschätzt werden könne, so ein Fazit. Nennenswerte Effekte im Vergleich zu vor der Pandemie waren eher positiver Natur: So hätte sich das Kochen zuhause oder häufigere Familienmahlzeiten über die kritische Pandemiezeit hinaus gehalten. Auch wenn sich die erhobene Verzehrhäufigkeit zum Beispiel von Obst im Vergleich zur KiGGS Welle 2 (2014 – 2017) tendenziell (aber nicht signifikant) verbessert habe, sei weiterhin Handlungsbedarf gegeben.

In Bezug auf die Verfügbarkeit von warmer Schulverpflegung solle geprüft werden, ob es hier zu einem Angebotsrückgang gekommen sei, erklären die Wissenschaftler*innen. Als Gründe werden unter anderem vorübergehende Schließungen von Schulkantinen und sowie Personalmangel vermutet. Belastbare bundesweite Daten hätten dazu jedoch nicht ermittelt werden können.

Als positiv bewerteten die Fachleute den Trend, der sich aus vorangegangenen Studien fortsetze: Im Zeitverlauf nutzen immer mehr Schüler*innen das Angebot von Schulmahlzeiten. Dies stärke die Bedeutung der Schulverpflegung als einen Ansatzpunkt, Kinder und Jugendliche mit einer gesunden Mahlzeit zu versorgen. Dennoch liege der Anteil der Schüler*innen, die ein vorhandenes Angebot seltener als einmal pro Woche nutzten, der aktuellen Erhebung zufolge immerhin noch bei 45 %.  Als bedenklich bewertete das RKI, dass Kinder und Jugendliche aus Haushalten mit geringem Einkommen seltener die Schulverpflegung nutzten als diejenigen aus Haushalten mit mittlerem oder hohem Einkommen. Hier sollten Barrieren für die Teilnahme an der Schulverpflegung ermittelt und möglichst behoben werden.

Lesenswertes zur News

Quelle

Robert-Koch-Institut – KIDA: Kindergesundheit in Deutschland aktuell. Studie zur Kindergesundheit während und nach der COVID-19-Pandemie