Ein kleiner Junge gießt mit einer orangefarbenen Plastikgießkanne Pflanzen, die in großen Töpfen gepflanzt sind.
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Weißbuch Schulverpflegung auf Weltklimakonferenz vorgestellt

Quelle: pixabay © 9lnw

Das Forschungskonsortium für Schulgesundheit und Schulernährung hat auf der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai ein evidenzbasiertes Weißbuch zur Schulverpflegung vorgestellt. Kernthema des Papiers ist das herausragende Potenzial von Schulmahlzeiten für die Transformation von Ernährungssystemen weltweit. Das Forschungskonsortium ist eine Initiative der School Meals Coalition.

Ein Großteil der weltweiten Bevölkerung ist von Fehl- und Mangelernährung betroffen, entweder in Form von Hunger, Ernährungsunsicherheit, Übergewicht oder durch ernährungsmitbedingte Krankheiten. Viele Länder leiden in dieser Hinsicht unter einer Mehrfachbelastung und nur sehr wenige Länder sind auf dem Weg, die ernährungsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) zu erreichen. Gleichzeitig trägt die globale Lebensmittelproduktion erheblich zur Klimakrise bei. Von allen genannten Krisen sind Kinder überproportional stark betroffen.

Wie Schulverpflegungsprogramme zur Bewältigung dieser Problemsituationen beitragen können, legt das Weißbuch „School meals and food systems: Rethinking the consequences for climate, environment, bio diversity and food sovereignity“ in zentralen Eckpunkten dar. Das Autor*innen-Team zeigt in Zusammenarbeit mit mehr als 85 Organisationen und mithilfe wissenschaftlicher Modellierungen auf, dass die Förderung nachhaltiger und gesunder Ernährungsstile eine zentrale und dringliche Zukunftsinvestition ist, für die Schulmahlzeiten ein Motor zur Transformation sind.

Zwei Schlüsselbereiche für systemische Veränderungen

Das Papier nennt zwei zentrale Schlüsselbereiche für systemische Veränderungen:

  • Schulkinder und Jugendliche als Agenten des Wandels: Eine gesunde Ernährung ist für die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zentral. Das gilt insbesondere für die ersten 1.000 Lebenstage eines Kindes, geht aber auch darüber hinaus (die „ersten 8.000-Tage“). Gesundheits- und Bildungsinvestitionen wirken sich gerade in ersten Entwicklungsphasen entscheidend auf Ernährungs- und Lebensstile im Erwachsenenalter aus. Indem Kinder zentrale Botschaften mit nach Hause nehmen, beeinflussen sie auch die Ernährungsgewohnheiten ihrer Familie.
  • Hohes Potenzial eines nachhaltigen Beschaffungsmanagements als Ausgangspunkt für die Transformation lokaler Ernährungssysteme: Nationale Schulverpflegungsprogramme bzw. -richtlinien können nachfrageorientierte und umweltfreundliche Auswirkungen auf lokale Lebensmittelsysteme haben. Als wirksam beschreiben die Autor*innen politische und regulatorische Rahmenbedingungen sowie begleitende Unterstützungsmaßnahmen, die die nachhaltige Beschaffung von Schulmahlzeiten sowie umweltfreundliche Produktions- und Anbausysteme fördern. Wesentlich ist die Verknüpfung des Beschaffungsmanagements für Schulmahlzeiten mit der lokalen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Dieses sogenannte „Home Grown School Feeding“ ist bereits in vielen Ländern gelebte Praxis.

Re-Thinking: Umdenken beginnt bei den Mahlzeiten

Für gesündere Schulmahlzeiten mit geringeren Umweltauswirkungen müssen alle Schulverpflegungsakteure zusammenarbeiten und sich für systemische Veränderungen einsetzen. Die Autor*innen beschreiben notwendige Maßnahmen in zentralen Verpflegungs- und Bildungsbereichen:

  • Nährstoffreiche und abwechslungsreiche Schulmahlzeiten: Eine engagierte und mutige Speiseplanung, die sich an der planetaren und menschlichen Gesundheit ausrichtet. Unter anderem nennen die Wissenschaftler*innen die Reduzierung des Fleischkonsums zugunsten einer pflanzenbasierten Menüplanung. Analysen zeigen, dass bereits kleine Änderungen in Richtung einer flexitarischen Ernährung hohe positive Umweltauswirkungen haben.
  • Energieeffiziente Lösungen für das Kochen: Einsatz von modernen und mit erneuerbaren Energien betriebene Produktionssysteme.
  • Minimale Abfälle: Vermeidung von Lebensmittelverlusten und -abfällen sowie die Verringerung des Plastikverbrauchs.
  • Handlungsorientierte und ganzheitliche Ernährungsbildung: Förderung von lebenslang wirkenden gesundheitsfördernden und nachhaltigeren Ernährungsgewohnheiten.

Positive Bilanz nachhaltiger Schulverpflegungsprogramme

Die Fachleute beschreiben ökologisch nachhaltige Schulverpflegungsprogramme bzw. dafür notwendige Investitionen als langfristig ertragreich. Der Return of investment, d. h. das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen, liege bei 1:8, weil sich Investitionen über mehrere Sektoren hinweg additiv auswirkten. Genannt werden hier Bildung, Gesundheit, Humankapital oder regenerative Landwirtschaft. Gerade Länder mit wenig finanziellen Ressourcen oder Länder mit geringerem Einkommen können hier profitieren.

Lesenswertes zur News

Quelle

  • Pastorino, Silvia; Springmann, Marco; Backlund, Ulrika; Kaljonen, Minna; Singh, Samrat; Hunter, Danny; Vargas, Melissa; Milani, Peiman; Bellanca, Raffaella; Eustachio Colombo, Patricia; Makowicz Bastos, Deborah; Manjella, Aurillia; Wasilwa, Lusike; Wasike, Victor; Bundy, Donald AP; (2023) School meals and food systems: Rethinking the consequences for climate, environment, biodiversity, and food sovereignty. Discussion Paper. London School of Hygiene & Tropical Medicine, London. DOI: https://doi.org/10.17037/PUBS.04671492